Mit Hilfe des Hotel Internets finden wir eine schöne und günstige Unterkunft im Durmitor Nationalpark für unsere nächste Nacht. Im Navi ist auch schnell eine schöne Route auf überwiegend kleinen Nebenrouten gefunden, die viel Fahrspaß versprechen ohne dabei sehr anspruchsvoll zu sein. Alles eingepackt, geht es durch den mäßigen Stadtverkehr am Morgen aus Sarajevo raus und sofort in die Berge.

Das Wetter ist grandios, die Landschaft zieht abwechslungsreich an uns vorbei. Die kleinen Nebenstraße durch die Berge sind kaum befahren, wir haben die Straßen für uns. Hier kommt Mijas erste Passstraße, viele Serpentinen, teilweise ist die Straße leicht abschüssig. Ich fahre vorraus, gebe durch die Helm-Kommunikation immer rechtzeitg Infos über die Kurven. Der für Mija anstrengende Aufstieg wird durch einen weiten Blick über die Balkan Berge belohnt.

Es geht wieder über Serpentinen bergab, wir begegnen ein paar Waldarbeitern die Bäume fällen. Hinter einer unübersichtlichen 180 Grad Kurve kommt uns ein Sattelschlepper entgegen. Dreck auf der Straße und wenig Platz zum Ausweichen führt zum ersten Sturz dieses Tages. Reserl legt sich auf die Seite, aber weiter passiert nicht viel. Ein blauer Fleck, ein paar Kratzer auf dem Seitenkoffer. Bis ich den Berg zurück gelaufen bin, ist auch schon der LKW Fahrer ausgestiegen um zu helfen. Wir stellen Reserl wieder auf die Räder, nutzen die Pause zum Trinken und weiter geht es.

Ein letzter Tankstopp vor der Grenze zu Montenegro an einer Tankstelle die eher verlassen und nach einem Überbleibsel aus alter Zeit aussieht, doch ein Tankwart kommt aus dem kleinen Häuschen und will uns beim Tanken helfen. Unser Vorrat an bosnischen Mark ist bereits aufgebraucht, aber er akzeptiert auch Visa. Wir tanken nochmal den günstigen Sprit aus Bosnien und setzen uns in den Schatten zum Mittagessen.

Der kleine Grenzübergang zu Montenegro ist wie erhofft offen, vor uns wartet ein kleiner Bus aus Polen. Nach kurzer Wartezeit kommen wir an die Reihe, Impfnachweis, Reisepass, Fahrzeugpapiere, Versicherungskarte sind schon bereit. Der Grenzbeamte ist sehr freundlich, ist begeistert von unseren Mikrofonen im Helm und dass wir uns während der Fahrt unterhalten können. Willkommen in Montenegro!

Es geht wieder bergauf, die Landschaft ist atemberaubend schön. Der polnische Kleinbus kommt uns schon wieder entgegen, ein sehr kurzer Besuch. Kurz darauf erfahren wir auch den Grund. Die einzige Straße ist gesperrt, ein LKW steht quer und erklärt uns dass wegen einer Baustelle keiner durchfahren kann. Eine Ausweichroute gibt es nicht. Willkommen in Montenegro! Kein Schild, kein Hinweis an der Grenze. Unsere Unterkunft ist bereits gebucht und bezahlt. Auf der Straße zurück nach Bosnien und über die größere Grenze ans Ziel ist auf einen Tag nicht machbar.

Der LKW Fahrer meint die Baustelle ist sehr eng, aber wenn wir wollen können wir versuchen ob wir durchkommen. Eng sollte für Motorräder eigentlich nicht so schwierig werden. Wir nehmen das Angebot an, er lässt uns durch und plötzlich stehen wir mitten im neu aufgelegten Staßenbelag. Die Reifen sinken ein, wir ziehen deutliche Spuren durch den frischen Teer und die Aussicht am Ende verspricht nichts Gutes. Eng ist die Untertreibung schlechthin, da passen keine 10cm durch. Wir drehen um, und natürlich passiert im ungünstigsten Moment ein kleiner Ausrutscher und das Reserl liegt im Teer. Wir heben sie schnell wieder auf und fahren zurück. Wir haben ordentliche Schäden im Belag hinterlassen, aber das wird eine der schweren Walzen bestimmt wieder flach bügeln. Unsere Reifen hingegen sind völlig mit Teer zugesetzt. Zurück auf der alten Straße versuche ich die Reifen so gut es geht frei zu fahren und bremsen.

Beratungspause. Wie soll es weitergehen? Navis konsultieren, was wir für Optionen haben. Das TomTom kennt nur die offizielle Straße, ausweichen ist nicht möglich. Garmin kennt eine "unbefestigte Straße" die so aussieht als würde sie an der Baustelle vorbei gehen. Wir beschließen es zu versuchen und wenn es zu schwer wird umzudrehen. Der Einstieg ist vielversprechend, ein guter Schotterweg. Es geht bergab, immer steiler und immer enger. Für Umdrehen ist es jetzt zu spät. Der Schotter wird immer gröber, der Weg immer schlechter. Die Sonne knallt uns auf den Helm, es hat über 30 Grad. Es dauert nicht lange und es kommt der nächste Sturz. Bella abstellen, die heißen Klamotten ausziehen, den steilen Weg bergauf gehen und helfen. Ich fahre das Reserl die schweren Stellen bis zu Bella. Diesen Weg kommen wir auf keinen Fall bergauf zurück. Es gibt nur eine Richtung, vorwärts! Der Weg wird nicht wirklich besser, und so kommen noch weitere Stürze dazu. Es ist kräftezehrend in dieser Hitze immer wieder zurückzugehen und das Motorrad aufzuheben.

Ich fahre weiter voraus. Es geht steil bergauf, Babykopf große Steine liegen im Weg. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und Bella liegt auf der Seite und auch noch bergab. Mir ist zum Glück nichts passiert, allerdings ist der Seitenkoffer völlig deformiert. Genau jetzt kommt auch noch ein Auto entgegen. Der ältere Herr spricht kein Wort Deutsch oder Englisch, trotzdem packt er mit an. Aber auch zu dritt können wir Bella nicht aufheben. Es hilft nichts, das gesamte Gepäck muss runter. Dann noch etwas drehen damit wir nicht direkt bergauf heben müssen und kurz darauf steht Bella wieder. Sturzbügel und Koffer haben alles abgefangen, sonst scheint nichts kaputt zu sein.

Am Kofferdeckel ist der Haltebolzen abgerissen, mit dem er auf dem Koffer gehalten wird und der Koffer selbst ist derart verformt, dass der Befestigungsmechanismus nicht mehr greift. Mit mehreren Spanngurten kann ich den Koffer mit Deckel soweit befestigen, dass ich der Konstruktion zur Weiterfahrt vertraue. Vor lauter Aufregung habe ich sogar vergessen, davon Fotos zu machen, was mich fast genauso ärgert wie der Sturz selbst.

Der Zeitplan macht uns zu Schaffen, es ist kaum mehr vorstellbar dass wir unsere Unterkunft erreichen. Trotzdem geht es nur langsam und vorsichtig weiter. Kurz darauf wird der Weg wieder besser und wir können endlich schneller wie ein Fußgänger vorwärts kommen. Kurz bevor der Weg wieder in die große Straße münden soll kommt wieder eine Baustelle. Der Weg ist gesperrt. Alles wieder zurück? Auf keinen Fall. Zumindest nicht mehr heute. Zelt auf der Wiese neben der Baustelle aufbauen? Klingt nach der besten Option. Es findet sich ein Bauarbeiter der ein wenig Englisch kann. Wenn wir eine viertel Stunde warten, können wir durchfahren. Wir erzählen von unserer Tortur, worauf er uns erklärt dass die Hauptstraße nur bis maximal 17:00 Uhr gesperrt ist, danach wird nicht mehr gearbeitet und man kann durchfahren. Es ist bereits halb 6. Dieser Hinweis wenn früher gekommen wäre, hätten wir einfach warten können.

Kurz darauf können wir die Baustelle passieren und es geht auf gut fahrbarem Schotter die Hauptstraße entlang. Ein Blick auf das Navi zeigt dass wir unsere Unterkunft auf keinen Fall mehr erreichen können. In der Dämmerung erreichen wir die Tara-Schlucht und versuchen unser Glück in einem Touristen-Hotel, das unser Reisebudget sicher weiter ins Minus ziehen wird. Allerdings ist kein Zimmer mehr frei. Wir nutzen das WLAN um der gebuchten Unterkunft Bescheid zu geben was passiert ist und entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten. In Zabljak gibt es allerdings noch ein Hotel mit einem freien Zimmer. Nicht gerade günstig, aber dafür mit Frühstücksbuffet. Zum Wundenlecken genau das Richtige. Es geht die letzte halbe Stunde bergauf nach Zabljak, wir kennen die Strecke noch von unserem letzten Besuch. Als wir ankommen ist es bereits dunkel. Wir sind völlig fertig, erschöpft und müde. Und so gesellt sich auf dem Parkplatz ein letzter kleiner Umfaller im Stand zu den anderen Stürzen. Passt irgendwie zu diesem Tag. Nach dem Einchecken gönnen wir uns auf der anderen Straßenseite ein großzügiges Abendessen, das haben wir uns wirklich verdient.

Am nächsten Morgen schlafen wir erstmal aus. Wir haben vom Zimmer aus einen schönen Blick in den Nationalpark, allerdings spielt das Wetter nicht so recht mit. Es ist regnerisch und kalt. Erstmal zum Frühstück. Das ist leider eine Enttäuschung. Der Kaffee schmeckt nicht, zum Essen gibt es nicht mehr viel und alles ist kalt.

Wir beschließen in den Ort zu gehen, ein wenig Einzukaufen, einen Kaffee zu trinken und Postkarten zu schreiben. Im Ort steht eine Werbetafel von T-Mobile, 500GB Internet für nur 10 Euro. In Deutschland bekomme ich dafür gerade mal 1GB, andererseits ist da oft das Netz so schlecht dass die auch ausreichen. In Montenegro hingegen hat man überall besten Empfang, LTE ist wohl auch im Nationalpark gut verfügbar. Leider gibt es keine Roaming-Option für die angrenzenden Länder also bleiben wir ohne mobiles Internet erstmal.

Auf dem Rückweg finden wir einen Hochschwangeren Straßenhund. Mija will ihn unbedingt füttern also geht sie nochmal in den Supermarkt und holt ihm etwas zu Essen. Es gesellt sich noch ein Hund dazu und die Leute fragen sich vermutlich was die komischen Touristen da mit den streunenden Hunden wollen. Auf halben Weg zum Hotel finden wir dann noch wilde Hundewelpen vor einem verlassenen Haus. Zumindest sieht es so aus, ob jemand dort wohnt können wir nicht sagen. Mama Hund ist erst vorsichtig, lässt uns dann aber doch zu den Kleinen.