Am Montag sind die letzten kleinen Vorbereitungen fällig. Als erstes geht es in die Zulassungsstelle, wo meine Odyssee zur Erlangung eines internationalen Zulassungsscheins endlich endet. Eigentlich sollte es ja kein großes Thema sein, ähnlich wie der internationale Führerschein ist es ja ein einfacher Papiervordruck der sofort bedruckt und ausgehändigt werden kann - so dachte ich zumindest. Der erste Termin im Passauer Rathaus liegt bereits zwei Wochen zurück. Naiv ging ich rein und habe mein Anliegen kurz erklärt. Die Antwort darauf: "So etwas gibt es nicht, Sie meinen den internationalen Führerschein!". Immer beruhigend wenn Behörden besser wissen was ich eigentlich will wie ich selbst, dennoch habe ich versucht nachzubohren, denn den internationalen Führerschein hatte ich bereits. "Ja da müssen Sie zu Ihrer Versicherung, die gibt Ihnen dann die grüne Versicherungskarte". Nochmal knapp daneben, auch die hatte ich schon. In der Zwischenzeit hat eine Kollegin Google bemüht und meint vom Nebentisch, so etwas gäbe es wohl tatsächlich, haben sie aber noch nie ausgestellt. Es folgt ein längeres Telefonat, es wird nach jemandem gesucht der sowas ausstellen kann. Die Suche war leider nicht erfolgreich, weshalb ich einen Termin in der anderen Zulangsungsstelle bekomme, eine Woche später da vorher niemand da ist der das ausstellen kann.

Eine Woche später bin ich dann in der anderen Zulassungsstelle, naiv wie ich bin fest davon überzeugt da komme ich zu jemandem der Bescheid weiß und das vorbereitet hat. Weit gefehlt, ich komme zu einer Mitarbeiterin die von mir nichts weiß, dafür aber das Dokument an sich wenigstens kennt. Ob ich denn ein Export-Kennzeichen für mein Motorrad möchte. Selbstverständlich nicht, ich hoffe ja doch wieder nach Deutschland zurück zu kommen bei Gelegenheit. Wofür ich dann diesen Schein möchte, wird gefragt, der wird nur zusammen mit einem Exportkennzeichen ausgestellt. Ich versuche zu erklären, dass ich den Schein zu meinem aktuellen Kennzeichen möchte und nicht vorhabe mein Motorrad irgendwie umzumelden. Da weiß sie leider auch nicht weiter, ich soll das mit der Chefin klären. Die ist glücklicherweise im Haus, und ich komme auch schnell dran. Auch die Chefin ist nicht überzeugt, dass es diesen Schein zu einem normalen Kennzeichen gibt. Ich verweise auf die Homepage der Stadt München sowie Berlin, beide beschreiben das Dokument auf deren Seiten. Ich werde nach einer Rechtsgrundlage für diesen Schein gefragt, die ist schnell gefunden. Die Chefin liest sich den Gesetzestext durch und stellt fest, da steht sehr eindeutig dass ich das Dokument zu bekommen habe. Leider ist ihr Kommentar dazu nicht so eindeutig. Der Hinweis dass nur noch wenige Länder diesen Schein verlangen beruhigt mich nur wenig. Wir kommen zu dem Schluss ich muss das Dokument bekommen, allerdings wissen sie nicht wie sie es ausstellen können. Mein Fahrzeugschein wird kopiert, und ich bekomme später einen Anruf, die Chefin kümmert sich darum. 

Promt kommt am Nachmittag der Anruf, es ist geklärt und ich darf den beantragen, allerdings kann ihr System das nicht ausdrucken. Der dafür Verantwortliche ist allerdings gerade krank, die Woche drauf am Montag kann sie mir einen Termin anbieten, da müsste es dann funktionieren.

Mittlerweile plane ich meine Reise weiter, sei es nur mit oder ohne diesen Schein, in Skandinavien erwarte ich ohnehin keine Probleme. Was uns zu diesem Montag bringt. Ich komme pünktlich zu meinem Termin, und dieses Mal ist die Dame vorbereitet. Mein Dokument liegt fertig bereit, ich muss nur die Gebühr bezahlen und kann es mitnehmen. Ein kurzer Blick nach Innen zeigt, sie konnten es immer noch nicht bedrucken. Die Lösung dazu war es auf normales Papier aus Word (oder einem anderen Programm) raus zu drucken und dann einzukleben. Bin mal gespannt was ausländische Polizisten dazu sagen werden, aber mehr wird erstmal nicht drin sein hier...

Danach packe ich das Motorrad fertig und teste mein SPOT Gen4 Satelliten-Notruf-Gerät. Gekauft für den Fall dass irgendwo abseits etwas passiert, hat es neben der SOS Taste noch die Fähigkeit meine Route zu tracken und für andere Live verfügbar zu machen. Wer mich also auf meiner Tour live verfolgen will, kann das unter folgendem Link machen: https://maps.findmespot.com/s/FS1H Das zugehörige Passwort bitte direkt bei mir erfragen!

Dienstag geht es dann los, wie sollte es auch anders sein viel zu spät. Erstmal schon zu spät aufgestanden, dann zu lange gefrühstückt, und dann passen meine Sachen nicht so in meine Koffer wie ich das am Vortag überlegt habe. Also wieder neu packen. Dann geht es erstmal nach Regensburg ins Büro, ich muss ja noch Sachen abgeben und mit Kollegen Kaffee trinken. Danach lasse ich das Navi eine schöne Route zu einem kleinen Campingplatz suchen. Der Platz ist klein aber sehr schön, dass die Duschen mit Münzeinwurf sind und nur 50ct Stücke akzeptieren ist etwas nervig. Schnell ist das Zelt aufgebaut und eingerichtet, ein gelungener erster Tag.

Der zweite Tag startet mit ein wenig Regen, glücklicherweise erstmal nur wenige Tropfen. Google meldet aber eine Verschlechterung in der nächsten Stunde, also wird schnell zusammengepackt und ohne Frühstück gestartet. Wie schon am Vortag sucht auch heute das neue Garmin gute Strecken aus, die Neuanschaffung hat sich echt gelohnt, auch die Performance ist kein Vergleich zum Gerät das ich vorher hatte. Nach den ersten 100km führt es mich doch durch eine Stadt, was mir sehr gelegen kommt, ich halte an einem Café und hole mein Frühstück nach. Weiter geht es durch den Harz, landschaftlich ein sehr tolles Gebiet. Auch in Deutschland gibt es echt schöne Flecken, man muss nur mal auf kleinen Straßen durchfahren.

Der nächste Campingplatz ist auch sehr klein und sehr nett, an einem kleinen Fluss gelegen in dem man auch Baden kann, die Besitzer super freundlich und ich kann mir frei aussuchen wohin ich mein Zelt stellen will. Ich kann auch sofort bezahlen und alle Formalitäten am Platz regeln, und man wechselt mir auch Geld in 50ct Stücke, denn auch hier muss man zum Duschen Geld einwerfen. In der Dusche stelle ich aber fest, dass nur warmes Wasser kostet, und der Tag war heiß genug um auch kalt duschen zu können. Zum Abendessen koche ich mir Nudeln mit Hackfleischsauce, zugegeben sehr einfach, aber trotzdem sehr lecker.

Es ist Mittwoch Morgen, schon vor 8 ist das Zelt von der Sonne so aufgeheizt, dass man nicht mehr wirklich schlafen kann. Kein Problem, ich wollte eh früh aufbrechen, um nicht allzuspät in Heide anzukommen. Nachdem ich aus meinem Zelt gekrochen komme, werde ich von zwei netten Damen am Platz gegenüber zum Frühstückskaffee eingeladen. Selbstverständlich geselle ich mich dazu, wir unterhalten uns gut und die Zeit fliegt davon. Schließlich bekomme ich noch einen Segen mit auf meine weitere Reise, dann wird zusammengepackt und so komme ich gerade noch rechtzeitig vor der Mittagsruhe vom Platz.

Weiter eine gute Streckenführung von Garmin, allerdings lassen die Verkehrsinformationen sehr zu wünschen übrig. Ich wollte extra Hamburg umfahren und habe eine andere Brücke über die Elbe gesucht wie ursprünglich von Garmin vorgeschlagen, doch die ist gesperrt. Das Garmin merkt das leider erst nachdem ich der Umleitung folge, und versucht mich trotz der eingezeichneten Sperrung auf die Brücke zu schicken. Das lasse ich nur durchgehen, weil mein Wegpunkt direkt auf der Brücke liegt. Aber ich werde das weiter verfolgen wie häufig das nochmal vorkommt! Ich suche manuell eine neue Route, und es dauert nicht lange bis es wieder zu einer Sperrung kommt. Und wieder bemerkt das Garmin das viel zu spät, da stehe ich schon vor der gesperrten Straße, doch dieses Mal liegt kein Wegpunkt wo er nicht liegen darf. Liebes Garmin Team, da müsst ihr nochmal nachbessern! Und wenn ihr schon dabei seid, auch die Smart-Notifications kommen nicht immer am Gerät an! In dieser Preisklasse sollte sowas zuverlässig funktionieren!

Dann erwischt mich Regen und ich bekomme die Gelegenheit, meinen GoreTex Anzug auszuprobieren. Überziehen ohne die Stiefel oder ähnliches auszuziehen klappt super, und auch der Wind wird gut abgehalten, so dass es auch bei den 14 Grad nicht mehr kalt ist. Nur die dicken Handschuhe die ich mitgenommen habe sind schrecklich, damit fehlt jedes Gefühl in den Händen. Dafür muss ich noch was besseres finden, jetzt müssen dann die leichten in Kombination mit der Griffheizung herhalten solange es irgendwie geht. Mal sehen wie das am Nordkap bei 5 Grad aussieht.

Endlich komme ich in Heide an und werde von Katharina begrüßt. Die redet mittlerweile sehr viel und ist stolz, dass sie keine Windel mehr braucht. Isabella kommt später vom Spielen zurück, mit einer großen Schramme im Gesicht vom Tretroller fahren, aber ein buntes Pflaster hilft!