Am Tag bevor es richtig losgehen soll steht nur eine kleine Etappe zum Einfahren an. Von Regensburg nach Passau, auf geteerten Straßen ohne Offroad. Sollte eigentlich kein Problem sein, nur das Gepäck ist sehr ungewohnt. Man muss dazu sagen, dass Mija ihren Führerschein noch nicht einmal einen Monat hat und daher auch fast keine Fahrpraxis.

Wir beladen in Ruhe die Motorräder, schauen uns die Gewichtsverteilung in Ruhe an und starten vorsichtig in Richtung Süden. Derart viel Gepäck ist deutlich zu spüren, besonders der Luftwiderstand ist stark verändert. Eine kleine Schottereinlage gibt es auf einem Parkplatz in der Pause, aber auch da geht noch alles gut.

In Passau angekommen wollen wir die Motorräder in die Garage meiner Eltern fahren. Die steile Auffahrt ist jedoch eine Herausforderung, die man keinem Fahranfänger zumuten sollte. Das Resultat ist der erste Sturz der Reise der neben ein paar Kratzern im Seitenkoffer auch eine Fußraste als Opfer fordert. Der verbogene Lenker ist dabei vergleichsweise unproblematisch. So kann die Reise auf keinen Fall fortgesetzt werden, wir hoffen, dass eine Reparatur bei Motorrad Leebmann in Passau am nächsten morgen die Weiterreise ermöglicht.

Trotz gutem Service und freundlicher Soforthilfe, die den Lenker wieder gerade biegt, fehlt für die Fußraste leider das passende Ersatzteil. Es wird sofort bestellt, ob es auf einen Tag ankommt ist aber nicht garantiert. Das Reserl muss also in der Werkstatt übernachten, und wir müssen das Hotel in Budapest umbuchen.

Da an dem Tag sonst nicht viel mehr zu tun ist, machen wir das beste daraus und fahren in ein Freibad, ein Motorrad geht ja noch. Schwimmen, in der Sonne liegen, Rutschen, nochmal Schwimmen, eigentlich gar nicht so schlecht als erster Urlaubstag, wenn der kleine Unfall nicht immer im Hinterkopf sitzen würde.

Kurz nach Mittag des Folgetages dann der erfreuliche Anruf der Werkstatt. Das Ersatzteil ist gekommen, die Fußraste provisorisch ausgebogen und wieder ordentlich befestigt. Einzige Einschränkung dass sie etwas schwergängiger wie davor ist. Damit kann man leben.

So geht es mit eineinhalb Tagen Verspätung los, auf schnellstem Wege auf die Autobahn und durchfahren bis Wien. Im Internet wurde ein freier Zeltplatz kurz hinter Wien an der Donau beschrieben, keine Infrastruktur, oft vermüllt aber man kann dort legal und kostenlos sein Zelt aufbauen. Obwohl wir nur kurze Pausen einlegen, kommen wir in völliger Dunkelheit an dem Platz an. Es gibt weder Schilder noch sowas wie eine Rezeption, man erkennt nur an einem anderen Zelt auf der Wiese dass wir hier wohl richtig sind. Auf der Straße ist überall Halteverbot, also beschließen wir die Motorräder am Rand der Wiese abzustellen, auf diese Weise können wir die Scheinwerfer noch nutzen um das Zelt aufzubauen.

Mitten im Zeltaufbau kommt ein sehr aufgebrachter Mann zu uns, macht Fotos von unseren Kennzeichen und meint er ist von der Nationalparkverwaltung und das gibt eine Anzeige. Erst auf Nachfrage was eigentlich das Problem ist, erklärt er uns dass das ein Nationalpark ist und man nicht einfach auf die Wiese fahren darf. Wir entschuldigen uns mehrfach, erklären dass wir davon nichts wussten, diskutieren was wir jetzt machen sollen, erzählen dass wir wegen unserer Probleme viel zu spät angekommen sind und nichts gesehen haben. Nach einiger Zeit scheint er uns zu glauben dass wir keine bösen Absichten hatten, erklärt uns wo wir die Motorräder abstellen können und dass wir gerne die Nacht hier bleiben dürfen wenn wir von der Wiese wegfahren. Statt einer Anzeige will er es auch bei einer Verwarnung belassen, aber wenn er uns nochmal erwischt, dann macht er ernst. Die Motorräder werden umgeparkt, das Zelt in Dunkelheit fertig aufgebaut und eingerichtet. Kurz vor Mitternacht können wir dann verschwitzt und von Mücken zerstochen in die Schlafsäcke kriechen.