Heute geht es früh los, wir starten ohne Frühstück. Laura ist noch früher aufgestanden um Sandwiches zu machen die wir dann im Bus nach Apure frühstücken können. Am Busterminal angekommen finden wir schnell den richtigen Bus, dieser ist aber leider erst halb voll, und die Busse hier fahren nicht nach einem festen Plan sondern wenn der Bus voll ist. Wir müssen ca. zwei Stunden warten bis es endlich los geht. Während wir warten sammelt eine Dame von jemdem 10 Bolivares (ca. 0,40 Cent) ein und ich bin überrascht wie billig die Busfahrt hier ist. Aber da über eine Stunde Fahrt in der Metro von Caracas nur 2 Bolivares kosten klingt es im Vergleich auch irgendwie fair. Nach Abfahrt sammelt aber jemand vom Bus nochmal Geld ein, dieses Mal 5USD pro Person, und auf Nachfrage werde ich für meine Naivität ausgelacht. Die 10Bs. waren nur eine Steuer des Busterminals, die Fahrt ist deutlich teurer.

Nach ca. 20 Minuten Fahrt gibt es noch eine Haltestelle, es steigen weitere Fahrgäste zu  obwohl der Bus schon voll ist. Jetzt wird auch jeder Stehplatz noch mit ausgenutzt. Unter den neuen Fahrgästen ist ein selbsternannter Prediger der uns das Wort Gottes in einer extremen Lautstärke näherbringen will. Im ersten Teil seiner Predigt erzählt er dass er studierter Ingenieur ist und beschwert sich, dass aus seinem Jahrgang nur er sich dazu entschlossen hat zu predigen. Was erlauben die anderen Ingenieure sich auch, etwas sinnvolles in ihrem Leben zu machen! Da ich genug von seinen Beschwerden über alle anderen habe, suche ich mein Ohropax. Promt beschwert er sich über Leute, denen der Anstand fehlt, bei einer Predigt zuzuhören, aber die Konsequenzen werde ich dann im Fegefeuer tragen müssen. Mein Fehler, wie komme ich nur auf die Idee dass man in einem Bus einfach nur in Ruhe von einem Ort zum anderen fahren kann. Bevor er dann von einer Stunde durch den Bus brüllen heiser wird, beendet er seine Predigt, bekräftig dass er in Gottes Auftrag unterwegs ist und will Geld dafür haben. Bin ich froh dass ich keinen göttlichen Auftrag habe andere Leute zu belästigen und dafür auch noch um Geld zu betteln.

In Apure angekommen holen wir die Tochter von Lauras Cousin ab und spazieren durch den Ort. Es gibt eine Messe von landwirtschaftlichen Tieren, Essensstände sowie Informationsstände vom Tourismusministerium. Die sind alle sehr mit sich selbst beschäftigt, bis sie hören dass ich aus Deutschland komme, dann präsentieren plötzlich alle was das Land zu bieten hat. Und ich kann Schildkröten begutachten und ein paar Papageien, die aber leider nicht sprechen.

Wir bekommen langsam Hunger und suchen im Hafen leckeres Essen. Wir finden Cachapas mit Käse, dazu ein Teller voll Fleisch. Wasser gibt es in ausreichender Menge sogar umsonst, frisch gemachter Fruchtsaft ist sehr billig zu haben. Dann ist es auch langsam an der Zeit wieder an die Rückfahrt zu denken und wir machen uns auf den Weg zum Busterminal. Hier gibt es wieder das selbe Spiel, wir suchen uns Plätze im Bus und warten auf weitere Mitfahrer.

Eine halbe Stunde nachdem wir losgefahren sind, gibt es eine Kontrolle der Drogenfahndung der Guardia Nacional Civil. Sie wollen die Ausweise sehen. Meinen Reisepass finden sie besonders interessant, und so soll ich aussteigen um mich genauer zu überprüfen. Ein Herr der gar keinen Ausweis dabei hat wird hingegen nicht überprüft. Laura beschwert sich dabei über die Diskriminierung von mir und ist mein persönlicher Übersetzer dabei. Als erstes wollen sie herausfinden wie lange ich schon im Land bin. Dazu blättern sie mehrfach meinen Pass von vorne bis hinten durch ohne fündig zu werden. Wir suchen ihnen den Einreisestempel heraus. Schon traurig wenn die Sicherheitsbehörden nicht wissen wie die Stempel des eigenen Landes aussehen. Interessant ist auch, dass die "Drogenfahndung" keinen Hund oder irgendwelche Schnelltests haben, um auf evtl. Drogen zu testen. Ich darf mich dann bis auf die Unterwäsche ausziehen, damit sie "ihre Arbeit machen" können. Dass wir kein großes Gepäck zum kontrollieren dabei haben, enttäuscht die Beamten sichtlich. Der einzige Rucksack ist zumindest offiziell von Laura, und nach theoretisch geltendem Recht dürfen Männer kein Gepäck von Frauen durchsuchen. Darauf angesprochen meinen sie nur, sie können eine Frau organisieren, dann wird aber der gesamte Bus für ca. 40 Minuten festgehalten. Wir gestatten ihnen den Rucksack zu öffnen und wieder ist die Enttäuschung groß, dass es sich überwiegend um Süßigkeiten handelt. Die für eine Drogenfahndung evtl. interessante Tüte mit verschiedenen Tabletten wird allerdings völlig ignoriert. Da wir nicht bereit sind, ein "Trinkgeld" für schnelle Bearbeitung zu bezahlen, schauen sie nochmal jeden Kecks ganz genau an und lassen uns schließlich weiterfahren. Inwiefern man den einzelnen Beamten, die in den unteren Rängen um die 5USD pro Monat verdienen, persönlich Vorwürfe machen kann darf jeder selbst für sich entscheiden. Nervig ist es auf jeden Fall.