Heute standen ca. 10.000 km auf dem Plan, mit insgesamt ca. 13 Stunden im Flugzeug. Der Abflug in Frankfurt war problemlos, die Sicherheitskontrollen angenehm einfach, noch nicht mal der Nacktscanner der Amis kam zum Einsatz. So gings zügig durch den Flughafen und ins Flugzeug, einen schönen Airbus A380. Leider bin ich nicht dazugekommen einmal durch die erste Klasse zu gehen.
Jeder hatte seinen eigenen Bildschirm und konnte sein Fernsehprogramm frei wählen, auch wenn es nicht besonders vielseitig war. Aber mit "The Big Bang Theory", "How I met your Mother" und nur 30min Schlaf in der letzten Nacht, kam ich dann doch gut über den Atlantik.

In Texas angekommen gings als erstes zur Immigration, wo ich als einer der ersten vom Flugzeug ankam, ich wollte ja schließlich auf keinen Fall meinen Anschlussflug verpassen. Dort wurde man dann zu den einzelnen Schaltern zugeteilt und wie das Schicksal so spielt hat mein Immigration Officer alles sehr genau genommen und ich war einer der letzten der damit fertig war.
Zoll ging schnell und unkompliziert, die Gepäckabgabe für den Weiterflug ebenfalls. Dann gings zur nächsten Sicherheitskontrolle und das ohne Boardkarte zum nächsten Flug. Die wollte hier auch keiner sehen, also Handgepäck ausräumen und zum Nacktscanner. Wie ich direkt davor stehe, fällt jemanden ein dass der nur für Frauen ist. Das soll mal einer verstehen! Also doch nur durch den Metalldetektor und weiter zu meinem Gate, immer noch ohne Boardkarte. Ein Schalter der Fluggesellschaft ist nirgends zu finden, also einfach immer weiter. Bei einem Customer Service von United habe ich dann mal mein Glück versucht und habe promt eine Boardkarte bekommen, mit dem Hinweis dass sich das Gate noch ändern kann, das kommt hier sehr oft vor. Und tatsächlich blieb es weder beim Gate noch bei der Abflugzeit. Da über Houston ein starkes Gewitter war musste der Flug leider um eine Stunde verschoben werden, und das Gate wurde auf die andere Seite des Flughafens verlegt. So kann man natürlich auch Trombose vorbeugen.
Die neue Abflugzeit kam und damit auch ein neues Gewitter, also lieber gleich nochmal verschieben und weil es so viel Spass macht das Gate gleich mit. Wer nach El Salvador fliegt muss sowieso ziemlich viel Geduld mitbringen. Aber an dem neuen Gate war neben mir ein kleines Kind das mich bis zum Abflug unterhalten hat.

Den Flug habe ich fast komplett verschlafen, nur eine sinnlose Durchsage eine dreiviertel Stunde vor der Landung hat mich geweckt. Es war ein sternenklarer Himmel und unter uns waren nur die Lichter der Panamericana zu sehen. Weit vor uns gabs ein Gewitter das ziemlich schön anzuschauen war aus der Vogelperspektive. Da habe ich mich gefragt wie so ein Gewitter wohl von innen aussieht. Hat nicht lange gedauert und meine Neugierde wurde befriedigt. Wir sind direkt in das Gewitter reingeflogen und wurden ein bisschen durchgeschütelt. Man konnte auch ein paar Blitze direkt neben uns sehen, aber davon wird man fast blind.

Am Flughafen angekommen ist die Einreise bei den Latinos immer angenehm unkompliziert. Nur vor dem Zoll mit seiner Ampel habe ich seit dem ersten Besuch ein wenig Angst. Zoll in Lateinamerika funktioniert so: man füllt ein Formular aus was man einführt und was man zu verzollen hat. Dann stellt einem der Beamte noch ein paar Fragen und danach muss man auf einen Schalter an einer Ampel drücken. Zeigt die Ampel Grün, darf man gehen und ist fertig. Zeigt sie aber Rot, durchsucht der Zoll das Gepäck und schaut nach ob die Angaben richtig waren. Oder wenn der Beamte wenig Lust auf durchsuchen hat, dann gibt er eine zweite Chance. Dieses Mal hatte ich Glück und die Ampel zeigte Grün.

Draussen angekommen merkt man sofort dass man in Lateinamerika ist. Man braucht sich hier kein Taxi suchen, die Taxis suchen mich. Glücklicherweise brauche ich kein Taxi und darf das jedem Taxifahrer nochmal erklären bis sie sehen dass ich abgeholt werde. Patty hat mich mit einem Freund abgeholt und zu meinem neuen Zuhause gebracht. Die ca. 40km bis nach San Salvador sind wir mit den hier üblichen 65km/h auf der Autobahn gefahren in einem Auto das der deutsche TÜV schon vor 15 Jahren aus dem Verkehr gezogen hätte. Hier geht man nicht so verschwenderisch mit den Autos um und es hat uns auch heil ans Ziel gebracht. Die Gegend in die wir dann gefahren sind erweckte nicht sonderlich viel Vertrauen und ich habe die Orientierung auch komplett verloren. Mal sehen wohin uns die Reise bringt. Nicht mehr weit, denn kurz darauf waren wir da, in einer Wohngegend von einem schlafenden Nachtwächter bewacht den wir erst wecken mussten um durch die Schranke zu kommen. Die Häuser hier erwecken nicht wesentlich mehr Vertrauen in die Gegend, aber Patty meint die Gegend ist sicher. Wir werden sehen...
Empfangen werde ich sehr herzlich und nett von einer Freundin von Patty, die mit ein paar anderen hier in einer WG lebt. Sie zeigen mir mein Zimmer und scheinen skeptisch zu sein ob es mir gefällt. Es ist nicht besonders groß mit einem Bett, einem Schreibtisch und einer kleinen Komode. Im ganzen Haus gibt es WLAN, das Bad ist sauber und die Mitbewohner sehr nett. Einziges Manko, mein Zimmer hat keine Türe, sondern nur einen Vorhang. Damit kann ich gut leben. Danach verabschiedet Patty sich und die anderen gehen auch ins Bett.