Barquisimeto


05.04.2023

Früh morgens geht es nach einem Kaffee wieder zum Busterminal, dieses Mal mit Ziel Valencia, um dort einen weiteren Bus nach Barquisimeto zu nehmen. Wie schon auf der Fahrt nach Apure müssen wir einige Zeit warten bis der Bus voll ist, dann geht es los. Auf dem Weg nach Valencia gibt es immerhin keine Kontrolle und wir kommen mehr oder weniger zügig voran. Im Busterminal von Valenica müssen wir wieder warten bis der Bus voll ist, dafür scheint dieser Bus in gutem Zustand zu sein und ist klimatisiert. Die Wartezeit nutzen wir um durch die Geschäfte zu spazieren und hier finde ich endlich eine Kappe mit der Flagge von Venezuela.

Auf der zweiten Fahrt gibt es eine Pause an einer Raststation, wo wir Gelegenheit haben aufs Klo zu gehen und etwas zu essen. Wir essen Empanadas mit Hühnchen und kaufen noch Orangen und Brot, das wir im Bus noch essen. Die Empanadas schmecken leicht merkwürdig und das Brot ist nicht wirklich mein Geschmack. In Barquisimeto angekommen werden wir von Lauras Tante abgeholt und zu Hause gibt es nach langer Zeit ein Wiedersehen mit ihren Großeltern und ihrem Bruder. Wir bringen unsere Sachen in unser Zimmer und es gibt Abendessen, obwohl ich eigentlich keinen Hunger habe und mich auch nicht ganz wohl fühle. In der Nacht wird schnell klar, dass irgendein Essen nicht mehr gut war. Ich habe das Hühnchen der Empanadas in Verdacht und Laura denkt, dass es das Brot war. Was auch immer es wahr, wir haben beide eine Lebensmittelvergiftung und liegen zwei Tage krank im Bett.

Nachdem wir uns erholt haben, erkunden wir zusammen ein wenig die Stadt. Barquisimeto ist die musikalische Hauptstadt Venezuelas und das ist an vielen Stellen sichtbar. An der Autobahn die in die Stadt führt ist eine übergroße viersaitige Gitarre zu sehen, in einem Park sind diverse Instrumente ausgestellt. Wir besuchen auch noch ein Gebäude in der Form einer übergroßen Blume, das im Jahr 2000 auf der Expo in Hannover einen Preis gewonnen hat.

Einen Abend gehen wir hier auch ins Kino und ich erlebe die ineffizienteste Art ein Kino zu betreiben. Es gibt eine lange Schlange um Tickets und Essen oder Getränke zu kaufen. Nachdem wir fast eine Stunde angestanden sind und deswegen schon eine spätere Vorstellung nehmen müssen, bekommen wir als "Tickets" einen Zettel auf dem handschriftlich vermerkt ist welche Vorstellung und wie viele Personen und einen anderen Zettel wo draufsteht was wir gekauft haben. Um das gekaufte abzuholen muss man sich erneut anstellen. Da stehen wir dann nochmal 40 Minuten in der Schlange, nur um dann eher genervt und unfreundlich gesagt zu bekommen, dass die Popcorn-Maschine defekt ist und sie uns dafür Chips geben. Und obwohl zum abfüllen der Getränke und die Chips zu holen zwei Angestellte mit uns beschäftigt sind, dauert es einige Minuten bis unsere Bestellung fertig ist. Jetzt ist es bereits so spät, dass der Film schon angefangen hat, aber immerhin erspart uns das die dritte Schlange, in der andere nochmal eine Stunde für die Ticketkontrolle gewartet haben. Damit sind sie fast so ineffizient wie deutsche Behörden! Der Film ist allerdings ganz lustig und ich verstehe ziemlich viel.

In Barquisimeto gibt es schöne Cafés, die zum einen sehr gutes WLAN haben, und zum anderen internationale Kreditkarten akzeptieren. So verbringen wir einige Stunden in den Cafés, genießen Cocktails, Milchshakes, Bier und die Möglichkeit in Ruhe am Laptop arbeiten zu können. Das Café Rose ist komplett in rosa gehalten, mit vielen Blumen und einer Schaukel um Fotos zu machen. Für das was alles geboten wird, gehen die Preise hier auch in Ordnung.

Auch in Barquisimeto haben wir den Zoo besucht. Die fehlenden Touristen haben auch hier zur Folge dass der Zoo nicht mehr so gut instand gehalten wird. Der Eintritt kostet auch nur 1USD, dafür kann man auch kaum das Personal bezahlen. Die meisten Tiere scheinen aber gut gehalten zu sein und auch gut ernährt zu werden. Mein persönlicher Freund Charly, ein Capuchino Äffchen, lässt sich von mir den Rücken kratzen und freut sich sehr über die Bananen die ich mit ihm teile. Leider ist er alleine im Käfig und hat niemanden zum Spielen.

Einen Abend verbringen wir in der Polizeistation mit Lauras Paten, dem hiesigen Polizeichef. Während wir auf ihn warten, sorgen sich mehrere Polizisten sehr intensiv um uns und bringen uns Kaffee. Dann spielen wir zusammen Billard und Domino und haben einen sehr schönen Abend. Von ihm erhalte ich auch noch ein paar Einblicke in die schwierige Situation im Land. Umso beeindruckender ist es, dass die Leute hier fast immer fröhlich, hilfsbereit und immer sehr liebenswert sind.

Den letzten Tag verbringen wir erst im Schwimmbad eines Hotels, das leider ziemlich teuer und das Personal nicht besonders freundlich ist. Dafür sind auch Lauras Bruder und Freunde von Laura mit dabei. Wir genießen das Wasser bis zum Nachmittag, dann fahren wir noch zum Obelisk von Barquisimeto, der anlässlich des 400. Geburtstags der Stadt gebaut wurde. Dort wird Musik gespielt, Leute machen Sport und ein Straßenkünstler überzeugt uns, dass wir für 3USD ein Bild von uns malen lassen. Das Ergebnis ist immerhin besser wie vom Karikaturisten in Caracas.