Die Fahrt von El Tigre nach Calabozo beginnt schon mit Verspätung. Das bestellte Taxi holt uns aber doch noch ab und so geht es mehr oder weniger zügig nach Valle de la Pasqua. Das Auto hat immerhin eine funktionierende Klimaanlage, die auch auf maximaler Leistung läuft, und so sitze ich bei einer Außentemperatur von knapp 40 Grad mit Jacke im Auto. Für die Weiterfahrt organisiert uns der Fahrer ein weiteres Taxi. Da müssen wir aber erstmal den Preis aushandeln, der Fahrer nimmt etwas zu selbstverständlich unser Gepäck in seinen Kofferraum. Wir werden uns aber dann einig, wir wollen nicht ewig auf einen billigeren Bus warten und nehmen den höheren Preis hin in der Hoffnung dafür schneller ans Ziel zu kommen. Allerdings geht es erstmal zum Terminal um aufs Klo zu gehen, dann versucht er noch weitere Mitfahrer zu organisieren und macht sich schließlich auf den Weg. Es dauert nicht lange, dann fährt er rechts ran um aus einer alten Cola-Flasche Benzin einzufüllen. Weit wird er damit aber nicht kommen, und so dauert es keine 10 Minuten bis er sich an einer Tankstelle anstellt. Es gibt schon eine ewig lange Schlange und es gibt auch noch kein Benzin an der Tankstelle. Immerhin gibt es eine extra Schlange für Transportunternehmen, und in dieser Schlange stehen wir wenigstens an dritter Stelle. Aber auch vorne zu stehen hilft nicht viel, wenn es kein Benzin gibt und wir müssen fast drei Stunden warten, bis die Tankstelle endlich öffnet.

Endlich vollgetankt, geht es nach Calabozo und wir werden wenigstens bis zum Haus von Lauras Tante gefahren. Dort werden wir herzlich empfangen und bekommen das Zimmer der Tochter Estefany, Lauras Patenkind. Die freut sich riesig Laura wiederzusehen. Wir bekommen sehr leckeres Essen und ich werde wie ein Familienmitglied aufgenommen. Fehlendes Internet und Infrastruktur gleichen hier die Leute durch unglaubliche Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Fröhlichkeit und Herzlichkeit aus.
Die Situation mit Sprit ist in diesem Land ziemlich schlimm. Eigentlich erstaunlich, ist es doch das Land mit den größten Ölvorkommen weltweit. Trotzdem gibt es hier Kilometerlange Staus vor Tankstellen, manche warten Tagelang darauf Benzin zu bekommen. Prinzipiell gibt es hier drei verschiedene Möglichkeiten an Sprit zu kommen. Die staatlich subventionierten Tankstellen, hier kostet eine ganze Tankfüllung nur wenige Cent, dafür steht man meist mehrere Tage in der Schlange. Dann gibt es Tankstellen mit internationalem Sprit, hier kostet der Liter 0,50USD, aber auch hier ist nicht immer sicher dass es etwas gibt. Die letzte Möglichkeit und Notlösung ist Benzin vom Schwarzmarkt, Leute die sich anstellen und das Benzin dann weiterverkaufen. Hier bezahlt man zwischen einem und zwei USD pro Liter. Lauras Onkel muss tanken und da keine Tankstelle im Ort Benzin hat muss auf dem Schwarzmarkt getankt werden. Ein paar Tage später soll angeblich Benzin ankommen, also steht er um drei Uhr morgens auf um sich anzustellen. Gegen vier Uhr Nachmittag kommt er zurück, ohne Benzin im Tank, denn der versprochene Tanklaster ist leider nicht angekommen. So muss er noch einen Tag in der Schlange stehen, bis es endlich wieder Benzin im Tank gibt.
Der Staudamm ist neben der kolonialen Altstadt die Hauptattraktion von Calabozo. Es ist der Süßwasserspeicher für den Ort, in dem die Temperaturen im Sommer fast täglich über 40°C steigen. Man kann auch im Stausee schwimmen, andere sind mit Booten unterwegs und Fischen. Dass es hier Piranhas gibt, schein dabei nicht zu stören. Zwei junge Männer fangen die auch fleißig von der Staumauer aus, und ich darf ein Exemplar davon genauer begutachten. Sehen eigentlich gar nicht so gefährlich aus.

Am Sonntag fahren wir alle zusammen zu anderen Verwanten von Laura. Dort gibt es ein Katzenbaby, Schweine und leckere Mangos aus dem Garten. Sonntags wird hier traditionell im Garten eine Suppe über offenem Feuer gekocht und alle trinken Bier. Es ist ein gemütlicher Tag und die Suppe ist super lecker. Zum Nachtisch gibt es dann noch Milchreis mit Mango. Diese Familie besuchen wir noch ein weiteres Mal, und da gab es noch ein ganz kleines Hundewelpen, das von der Straße adoptiert wurde.

Estefany ist ein großer Fan von meinen Pfannkuchen zum Frühstück, auch wenn es den Leuten hier komisch vorkommt sie mit etwas Süßem wie Marmelade zu essen. Die anderen bevorzugen Käse, ich bleibe bei süßen Pfannkuchen. Mit diesem Erfolg muss ich noch ein paar Mal das Frühstück machen, aber das geht in Ordnung.
Die Tage hier vergehen ruhig, wir können entspannen, ich komme dazu gelegentlich ein Mittagsschläfchen zu machen und ich kaufe eine sehr große Wassermelone, die über die Tage gegessen wird. Wie fast immer werde ich sehr gut bekocht, und ich sollte mehr Sport machen um das viele Essen auszugleichen. Aber bei 40°C hält sich die Motivation für Bewegung sehr in Grenzen. Nur einen Abend fahren wir zu einem der vielen Parks für Sport. Solche Parks gibt es hier überall im Land und haben einige Gerätschaften um zu trainieren. Ein besonderes Highlight ist dann noch der Besuch von einem Onkel von Laura, der ein Eichhörnchen als Haustier hat. Das klettert dann fröhlich auf mir rum.
