Mein frühmorgendliches Trödeln wird prompt mit Regen während dem Zeltabbau bestraft. So muss ich mein nasses Zelt einpacken, in der Hoffnung dass es die nächste Nacht wieder trocknen kann. Ich fahre in Richtung Bergen und sehe komische Schilder die auf eine Maut hindeuten. Das erklärt warum das Garmin mir sehr komische Strecken gesucht hat, die ich konsequent ignoriere. Meine anfängliche Zufriedenheit mit dem neuen Garmin Tread wurde bereits gedämpft. Die Software ist sehr instabil, teilweise stürzt es während der Fahrt ab, startet sich neu und hat oft grobe Darstellungsfehler in der Karte. Ich hoffe da kommt bald mal ein Update! Bezüglich der Maut finde ich im Internet, dass da automatisch eine Rechnung geschickt wird, es wird einfach das Kennzeichen erfasst. Dann finde ich noch heraus, dass Motorräder sowieso ausgenommen sind, was wieder nicht für Garmin spricht dass es trotzdem eine Alternative gesucht hat. Das Wetter ist durchwachsen, Aber weitestgehend trocken. Immerhin ist der GoreTex Überzug eh schon an meiner Kombi, also wenn was kommt ist es nicht so schlimm.

Dann kommt meine erste Fährfahrt innerhalb von Norwegen. An der Station bin ich völlig alleine, es gibt weder Personal, noch einen Hinweis wann die Fähre geht, ob sie geht und wie viel das überhaupt kostet. Ein Aushang empfiehlt sich online mit Kreditkarte zu registrieren, so könnte man sich die Rechnungsgebühr sparen. Da ich sonst nichts zu tun habe, mache ich das mal. Dann kommen auch noch andere Leute, was mich zumindest schon mal beruhigt dass die Fähre prinzipiell geht.

Auch diese Fähre ist sehr unkompliziert, einfach drauf fahren, ein Mitarbeiter scannt mit dem Handy die Kennzeichen und dann geht es auch schon los. Da ich noch eine zweite Fähre nehmen will und spät dran bin, düse ich gleich durch bis zur nächsten Anlegestelle. Dort muss ich jedoch über eine Stunde warten. Immerhin finde ich heraus, dass Google Maps die Zeiten der Fähren kennt, aber auch nicht was es kostet. Da ich nichts besseres zu tun habe beschäftige ich noch ein wenig weiter Google und auf der Homepage von Fjord1 kann man die Preise nachschauen. Für ein Motorrad ca. 4€ für so kurze Strecken.

Am Abend finde ich einen schönen kleinen und sehr günstigen Campingplatz. Die Zeltplätze haben Holztische und Bänke, das ist schon mal besser wie die Ausstattung die ich sonst habe. Nur Duschen gibt es hier nicht. Zum Abendessen gibt es Nudeln vom Vortag, die müssen weg und ich habe keine Lust zu kochen.

Am nächsten Morgen ist immerhin das Zelt wieder trocken, allerdings sieht das Wetter nicht sehr stabil aus. Also nur kurz eine Banane ohne Kaffee heute, und schon geht es los. Bald kommt ein wenig Regen, aber die neue Motorradkombi hält gut dicht. Die Anfahrt zum Geiranger Fjord ist surreal, neben der Straße liegt noch viel Schnee, in kleinen Seen treiben kleine Eisberge, das Wetter wechselt permanent zwischen kurzen Sonnenphasen und Regen. Bei dieser Aussicht kann man sich kaum über den Regen beschweren, hier macht er die Erfahrung eher besonders. Nur ein deutscher Reisebus verstopft die schönen Kurven, das nervt ein wenig.

Der Geiranger Fjord an sich ist meiner Meinung nach völlig überbewertet, und das obwohl der Regen dafür sogar eine kleine Pause macht. Ein kurzes Pflichtfoto und dann fahre ich auch gleich weiter. Der fehlende Respekt für diesen Fjord wird auch sofort mit mehr Regen bestraft. Am frühen Abend nehme ich mir deshalb eine Blockhütte um trocken durch die Nacht zu kommen. Ist zwar nicht billig, aber mit Heizung und Küche und vier Betten sehr gut ausgestattet und mein Mangel an einheimischer Währung wird mit geschenkten Münzen zum Duschen belohnt. Kurz nachdem ich mein Zeug in der Hütte habe, kommt die Sonne raus und ich frage mich ob es nicht doch Geldverschwendung war. Nach dem Duschen kommt der Regen zurück und ich sehe aus meinem warmen Haus einer russischen Familie zu wie sie ihr Zelt in strömenden Regen aufbauen. Definitiv keine Geldverschwendung.

Am nächsten Tag steht der Trollstiegen und die James Bond Brücke auf dem Plan. Einen kleinen Regenschauer kann ich noch abwarten, ich frühstücke gemütlich in der Hütte bis die Sonne raus kommt. Dann packe ich mein Motorrad fertig und schon geht es wieder los. Das Wetter gibt sich echt Mühe, und bis ich beim Trollstiegen bin ist wieder bestes Wetter. Es ist unglaublich wie abwechslungsreich die Landschaft hier ist. Die Abfahrt macht mega Spaß, bis wieder der selbe deutsche Reisebus kaum um die Kurven kommt und einen ziemlichen Stau verursacht. Da aber auch kein Gegenverkehr vorbeikommt, kann ich mit dem Motorrad gut überholen und mich bis ganz vor drängeln, auf einer kurzen Geraden dann auch den Bus überholen und weiter die Kurven genießen. Unten angekommen warten die Trolle, die der Straße den Namen verleihen (oder sind die erst danach wegen der Touristen gekommen?), von denen natürlich kein Foto fehlen darf.

Das nächste Highlight des Tages wird die James Bond Brücke, die sicher auch einen sinnvolleren Namen hat. Im letzten James Bond wurde da eine kurze Szene gedreht und auch Google Maps findet die Brücke unter "James Bond Brücke" als Suchbegriff. Die Brücke ist auch wirklich schön anzuschauen. Was die Norweger echt gut können ist Brücken und Tunnel bauen. Zumindest die Brücken sind nicht nur zweckmäßig, sondern meistens auch sehr hübsch.

Danach geht es weiter in Richtung Trondheim und das Wetter verschlechtert sich drastisch. Ich ziehe meine Wasserdichten Winterhandschuhe an und bin heil froh, dass meine GoreTex Kombi dicht hält. Teilweise regnet es so stark, dass man keine 50m weit sehen kann. Zum Regen gesellen sich noch ein paar Blitze und ich mache eine Pause unter dem Dach einer Tankstelle, wo schon zwei Deutsche auch auf Besserung warten. Mir werden Kekse angeboten und wir tauschen uns ein wenig aus. Die wollen gleich ums Eck auf einen Campingplatz sobald der Regen eine kurze Pause macht, allerdings ist die gesamte Wetterlage nicht so dass ich unbedingt zelten muss. Eine gründlichere Recherche zeigt dass ich die ganze Zeit mit dem Regen fahre, wenn ich jetzt weiter in Richtung Norden ziehe. Als Alternative nehme ich mir ein Hotel in Trondheim für zwei Nächte, auch wenn das dem Reisebudget nicht unbedingt hilft. Ich fahre ohne weitere Pause durch bis Trondheim ins Hotel, wo der Regen auch ein wenig nachlässt. Frühstück kann man nicht wirklich buchen, nur ein völlig überteuertes Packet aus einem Kaffeebecher und Crossaint. Parken würde 30€ am Tag kosten, allerdings sind auf dem Gehsteig vor dem Hotel schon zwei weitere deusche Motorräder, da stelle ich mich einfach dazu, die Dame an der Rezeption meint das ist zwar nicht erlaubt, wird aber geduldet. Im Hotel wird erstmal lange und heiß geduscht, dann nutze ich die Gelegenheit und wasche meine Wäsche damit die auf die zwei Tage trocken wird.

Am Tag darauf schlafe ich lange aus, und da meine Milch ohne Kühlschrank mal wieder schlecht geworden ist, gehe ich ohne Frühstück in die Stadt zum einkaufen. Frisch ausgestattet koche ich mir im Hotel mit meinem Gaskocher Kaffee und entspanne den restlichen Tag mit Filmen und Serie im Hotel.