In Ohrid geht es nach dem Frühstück bei bestem Wetter los. Obwohl der erste Regen angekündigt war, werden wir von der Sonne verabschiedet und bei moderaten Temperaturen geht es am See entlang zur Grenze nach Albanien. Es geht erst wieder durch tolle Berglandschaften, dann auf der Autobahn und großen Straßen nach Shkoder, wo wir ein 5-Sterne Hotel mit Pool und Sauna für fast kein Geld gefunden haben.

Das Personal scheint von meinem mittlerweile ziemlich verdrecktem Motorrad etwas irritiert, aber wir können problemlos einchecken und nutzen sofort den Pool und das Türkische Bad. Ein sehr freundlicher Hotelmitarbeiter erzählt uns von Albanien und dass er bald nach Berlin ziehen wird, da er dort einen neuen Job angeboten bekommen hat. Er kann auch ein wenig Deutsch und mit Laura spricht er ein wenig auf Italienisch und Spanisch.

Der nächste Tag startet etwas enttäuschend mit einem Frühstück das nicht wirklich den Erwartungen in so einem Hotel entspricht. Und das ist bereits die zweite Enttäuschung an dem Tag. Die erste kam schon um 5:30 Uhr als der Muezzin auf der anderen Straßenseite lautstark zum Gebet ruft und das Hotel offensichtlich entgegen der Behauptung auf Booking nicht besonders gut schallisoliert ist. Nachdem Frühstück wird nochmal schnell der Pool ausgenutzt, dann geht es schon wieder weiter. Es geht durch Montenegro nach Bosnien wo ich kurz vor dem Ziel wegen einer Baustelle noch eine ordentliche Offroad-Einlage bekomme.

Nach einem sehr leckeren Abendessen, bei dem wir die einzigen Gäste im Restaurant waren, geht es am nächsten Tag durch Dauerregen an einen See in der Mitte von Bosnien zu einem kleinen B&B. Dort ist die Ausstatttung nicht wirklich gut, es gibt noch nicht mal einen Wasserkocher im Zimmer. Gut also dass ich meinen Gaskocher dabei habe, so gibt es trotzdem einen heißen Tee zum Aufwärmen. Leider wird im Restaurant sowohl beim Abendessen als auch beim Frühstück geraucht, so wird der Eindruck vom an sich ganz guten Essen ein wenig getrübt. Aber es gibt einen Christbaum!

Wieder geht es im Regen los, und auf der 3D Geländeansicht im Navi ist eine Bergkette im Weg zum nächsten Zwischenziel zu sehen. Bei 4°C bei Abfahrt und gemeldetem Dauerregen beruhigt das Schild zur Schneekettenpflicht bei der ersten Steigung nicht wirklich. Oben fallen die Temperaturen fast auf den Gefrierpunkt, das Display der BMW warnt mich vor möglichem Glatteis und die zum Regen hat sich mittlerweile auch ein wenig Schnee gesellt. Jetzt darf wirklich nichts mehr dazwischen kommen, für den nächsten Tag ist Schnee gemeldet. Eine kleine Umleitung durch ein Stahlwerk bringt glücklicherweise keine allzugroße Verzögerung und wir kommen durchgefroren und ein wenig nass in der letzten Unterkunft in Bosnien an. Die Vermieter sprechen zwar kaum Englisch, sind aber extrem nett, haben schon die Heizung für uns angemacht und hüllen Laura gleich in eine Decke und stellen ihr einen Stuhl direkt zur Heizung. Das gröbste sollte jetzt überstanden sein, die restliche Strecke ist fast komplett Autobahn.

Der vorletzte Fahrtag geht morgens über die Grenze nach Kroatien und dann auf der Autobahn bis kurz vor die Grenze nach Slowenien. Auf einem Rastplatz geben wir noch unsere letzten Kuna für Kaffee und eine heiße Schokolade aus und in der leider etwas enttäuschenden Unterkunft gibt es zum Aufwärmen erstmal eine heiße Dusche. Dann geht es am letzten Tag sofort auf die Autobahn und durch Slowenien und Österreich bis Passau durch. In Österreich kommt dann der gemeldete Schnee auch wirklich an und es geht durch Schneegestöber Richtung Deutschland. Trotz voll aufgedrehter Griffheizung sind die Finger kalt und so sind die Pausen mit Mittagessen und einer heißen Schokolade am Nachmittag besonders wohltuend. Am Nachmittag erreichen wir Deutschland und bei der immer noch vorhandenen Grenzkontrolle gibt es ein paar irritierte Blicke der Bundespolizei wie man bei diesem Wetter mit dem Motorrad unterwegs sein kann. In der Dämmerung kommen wir dann wohlbehalten und durchgefroren in Passau an. Einmal mehr hat der Plan auf den letzten möglichen Tag genau funktioniert, aber im Kopf habe ich für die Zukunft notiert ein paar Spikes einzupacken, um im Notfall auch heil durch Schnee und Eis zu kommen.
