Die Anfahrt in das kleine Dorf Tjentiste ist unspektakulär. Schöne kurvige Straßen, aber nichts außergewöhnlich schönes. Dafür ist die Ankunft außergewöhnlich enttäuschend. Das Gebäude in dem sich unser Appartment befindet sieht extrem heruntergekommen aus, Fenster sind kaputt und es sieht kaum bewohnbar aus. Der Manager vor Ort spricht kein Wort Englisch, redet aber freundlich vor sich hin auch wenn wir kein Wort verstehen.

Das Appartment selbst ist nicht ganz so schlimm wie das Gebäude von außen, allerdings gibt es keine richtige Heizung in der Wohnung. In der Küche steht ein uralter Holzofen als einzige Wärmequelle der auch sofort für uns angemacht wird. Leider riecht bald das ganze Appartment nach Rauch, sehr gesund kann das nicht sein. Je nachdem wie man die Türen schließt oder offen lässt verteilt sich die Wärme ein wenig, aber auch bei zwei Räumen bleibt die Küche extrem überhitzt und das Wohnzimmer eher lauwarm. Das Badezimmer bekommt man überhaupt nicht warm, auch das Schlafzimmer bekommt nicht wirklich was ab. Deswegen werden wir auf der sehr unbequemen Schlafcouch übernachten, dort müssen wir immerhin nicht erfrieren.
Der Manager vor Ort ist auch der gleichzeitig der Postbeamte und betreut den einzigen Supermarkt weit und breit. Die Auswahl ist sehr begrenzt und die Preise extrem hoch. Das ist nicht weiter überraschend, es ist ein Wunder dass es hier überhaupt was gibt. Wir besorgen was für die paar Tage nötig ist und gehen dann in das einzige Restaurant in der Umgebung Abendessen. Leider wird in Bosnien in jedem Gasthaus geraucht, aber das Essen ist lecker. Auf dem Rückweg schauen wir bei einem Kriegsdenkmal vorbei das direkt auf dem Weg liegt. Es ist bereits dunkel und uns begleitet ein Straßenhund.

Am nächsten Tag geht es nach einem sehr einfachen Frühstück in die Berge. Die Anfahrt sind knapp 20km Piste in teils schlechtem Zustand, ideal um zu üben was ich bei den BMW Trainings gelernt habe. Es geht steil bergauf, durch die Wolkendecke durch und oben wartet bestes Wetter. Die Aussicht ist gigantisch, verständlich dass eine handvoll Camper es sich hier gemütlich gemacht haben.


Dann starten wir auf den höchsten Berg von Bosnien, den Maglic, direkt an der Grenze zu Montenegro. Nach ca. 300 Höhenmetern gibt es ein paar Schneereste, nach 500 Höhenmetern kommt die Rechnung für schlechte Schuhe und fehlende Ausrüstung. Mit unserer Ausrüstung geht es hier nicht mehr weiter, schon von hier ist der Abstieg nicht ganz einfach. Kommentare auf Google haben schon davor gewarnt, dass für den Gipfel Bergstiefel, ein Helm und Klettersteig-Set empfohlen werden.

Unten angekommen, haben wir noch genug Zeit in die entgegengesetzte Richtung in den Nationalpark zu starten, in den man laut Info aus unserer Unterkunft nur mit einem Guide in einer organisierten Gruppe rein darf. Hier steht davon allerdings nichts und so machen wir ein wenig die Gegend. Auch hier finden sich kleinere Schneefelder und es sieht so aus als wäre die warme Zeit jetzt auch im Süden langsam vorbei. Bei Dämmerungsbeginn geht es dann mit dem Motorrad wieder die Piste zurück. Wie schön wäre es solche Strecken auch in Deutschland zur Verfügung zu haben.

Vom Berg geht es direkt zum Restaurant, der Tag war anstrengend und wir haben Hunger. Dort angekommen ist es schon wieder Stockfinster, dabei ist es erst 17:00 Uhr. Leider wird heute auch wieder geraucht, aber es gibt hier ja keine Auswahl. Das Essen ist wieder lecker, die böse Überraschung kommt erst nach dem Essen. Aus dem Brotkorb krabbelt ein Insekt, das verdächtig nach Kakerlake aussieht. Dem Personal scheint das Problem weitestgehend egal zu sein, es wird nichtmal ein Rabatt angeboten. Also gibt es nochmal eine Rachebewertung auf Google, auch wenn das kaum etwas bewirken wird. Als einziges Restaurant weit und breit gibt es keine Konkurrenz.
Wieder im Appartment lassen wir den Holzofen diese Nacht aus, eine Nacht mit Kopfweh vom Rauch reicht aus. Ein bisschen Wärme holen wir uns vom Backofen, den wir offen auf voller Hitze anmachen. Nicht im Sinne des Erfinders, aber es funktioniert ein wenig.
Es geht nochmal die Piste zum Maglic hoch, es gibt noch einen anderen Wanderweg der deutlich einfacher ist und an einem See in Herzform vorbeiführt. Dabei geht es über die grüne Grenze nach Montenegro und wir packen die Reisepässe mit ein. Ob das damit legal ist, ist nicht wirklich klar, aber es ist ein beschilderter Wanderweg. Bis zum See geht es ohne viel Höhenunterschied und auch die Grenze ist sehr unspektakulär. Eine Fahne, ein Schild und die Aufforderung für den Nationalpark Eintritt zu bezahlen. Allerdings finde ich niemanden der kassieren will und so gehen wir einfach weiter.

Im Schatten ist der Boden gefroren, an den Büschen hängt ein wenig Eis. Auch ein kleiner See neben dem großen ist zugefroren. Dann kommt der erneute Aufstieg auf den Maglic, allerdings ist schon von der Uhrzeit klar dass wir es nicht bis ganz nach oben schaffen werden, zumindest nicht wenn wir noch bei Tageslicht zurückgehen wollen. Trotzdem ist es eine schöne Wanderung mit einem tollen Blick auf den See.

Auf dem Rückweg wird es schon dunkel, am Parkplatz angekommen ist es fast finster. Beim Anziehen der Motorradsachen kommt ein neugieriger Fuchs vorbei. Meine zweite Begegnung dieser Art auf meiner Reise. Auch dieser scheint keine Angst vor Menschen zu haben und kommt vorsichtig näher, will sich aber nicht streicheln lassen.

Bei der Abfahrt ist es stockfinster und es ist Vorsicht geboten auf dieser Piste. Dafür kommt der Mond raus und macht eine besondere Stimmung. Zum Abschluss kochen wir selbst und ich heize doch nochmal den Holzofen an. Und wenn man es richtig macht, gibt es auch keinen Rauch in der Wohnung.