Es steht eine etwas längere Etappe nach Sarajevo an. Die Stadt hat uns das letzte Mal so gut gefallen, dass wir sie auch dieses Mal wieder besuchen wollen. Mit dem Tipp zum Campen sollte das auch unser Reisebudget gut vertragen. Das Zelt wird mittlerweile sehr routiniert wieder abgebaut, alles eingepackt und verzurrt. Wasservorräte nochmal auffüllen und nach einem letzten wichtigen Toilettenstopp kann es los gehen.

Die Landschaft auf dem Weg nach Bosnien ist herrlich, leider fühle ich mich nicht so wirklich fit um sie in vollen Zügen genießen zu können. Der Grenzübertritt gestaltet sich unproblematisch, Reisepass, Impfnachweis, Fahrzeugschein und die grüne Versicherungskarte werden kontrolliert. Gegen Mittag sind wir auf einer Landstraße die wegen Bauarbeiten völlig aufgerissen ist. Es geht nur langsam voran, dafür verlaufen unsere ersten Schotterkilometer unfallfrei. Ein kleines Restaurant neben der Straße wirkt sehr einladend, der Hunger fährt schon seit einiger Zeit mit. Der Kellner versichert dass Kreditkarte akzeptiert wird, so bestellen wir zwei Kaffee und einen Burger mit Pommes, für unglaublich günstige 10 Mark (Die Landeswährung ist die Konvertible Mark KM und entspricht vom Wert einer DM, also ca. 0,50 Euro).

Es kommt erneut eine Baustelle die uns nur langsam voran kommen lässt. Um nicht nochmal unser Zelt in Dunkelheit aufbauen zu müssen, beschließen wir das letzte Stück auf der nagelneuen Autobahn zu fahren. Verwirrende Schilder lassen mich beim Auffahren zweifeln ob Motorräder da zugelassen sind, allerdings rede ich mir ein das kann sich nur auf kleine Roller beziehen. Ich ziehe mein Ticket, die Schranke geht hoch und ich fahre durch. Mija fährt ebenfalls zur Schranke bekommt aber kein Ticket. Kann es sein dass Motorräder wirklich nicht erlaubt sind und es nur Zufall war dass ich als Auto erkannt wurde? Ich schiebe sie ein Stück zurück, nochmal hinfahren, Ticket kommt und die Schranke geht auf. Wir werden am Ende sehen ob es Probleme beim Bezahlen gibt.

Die Autobahn entspricht deutschen Verhältnissen, lediglich ein allgemeines Tempolimit von 130km/h unterscheidet sie von unseren. So schnell sind wir schon lange nicht mehr unterwegs gewesen, wir holen die verlorene Zeit wieder auf. In Sarajevo herrscht schrecklicher Feierabendverkehr. Es geht mit Stop+Go langsam durch die Stadt, die Temperaturanzeige des Boxers steigt auf noch nie gesehene Höhen. Es geht aber irgendwann weiter und es geht ohne Kühlpause oder Ausfall in Richtung Berge am Stadtrand.

Die Auffahrten sind extrem steil, Kurven oft sehr eng. Durchgeschwitzt und erschöpft passiert dann ein kleiner Fehler, das Reserl legt sich müde zur Seite. An sich kein großes Problem, ich stelle Bella ab und gehe die paar Meter zurück. Wirklich schockierend ist das Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer, die anstatt zu helfen nur hupen und versuchen sich mit den Autos irgendwie vorbei zu drücken. Gut dass der Gehörschutz unter dem Helm auch das Hupkonzert ein wenig dämpft.

Die restliche Fahrt in die Berge ist anstrengend und mühsam, klappt aber ohne weitere Unfälle. Am Campingplatz angekommen gibt es eine unangenehme Überraschung. Hier dürfen nur Wohnmobile hin, Zelte sind nicht erlaubt. Gut dass es direkt daneben noch einen Campingplatz gibt. Doch der macht einen derart schlechten Eindruck, dass wir beschließen unser Budget zu strapazieren und in das bereits bekannte Hotel zu fahren. Internet haben wir keines mehr um online nach günstigen Alternativen zu suchen.

Das Hotel hat glücklicherweise ein Zimmer für uns frei, und wir bekommen auch einen günstigeren Preis wie online angezeigt (glücklicherweise war das WLAN Passwort seit dem letzten Besuch noch unverändert). Wir buchen uns zwei Nächte ein, wir haben jetzt ein wenig Ruhe dringend nötig, und eine vernünftige Toilette im Zimmer ist mittlerweile ein echter Pluspunkt. Den Abend spazieren wir in Ruhe durch die Stadt, gehen Essen in einem bekannten und sehr leckeren Restaurant.

Am nächsten Morgen geht es nach einem ausgiebigen Frühstück in das Museum der Verbrechen gegen Menschlichkeit und Genozid. Sehr interessant aber auch bedrückend zu sehen, wie noch in den 90er Jahren der Westen und die UN versagt haben, einen derart grausamen Krieg zu verhindern. Danach treffen wir eine Couchsurferin mit der wir uns die ehemalige olympische Bobbahn in den Bergen anschauen wollen. Es geht mit der Seilbahn auf den Berg und eine Wanderung durch schönen Wald bringt uns zur Bobbahn. Vom Krieg zerstört ist sie mittlerweile ein Kunstwerk und Mahnmal.

Im Wald soll es noch weitere zerstörte Gebäude geben. Wir gehen weiter auf den kleinen Wanderwegen und finden auch bald den richtigen Weg. Zwei Gebäude, ursprünglich für die Wissenschaft gebaut, wurden ebenfalls im Krieg völlig zerstört. Der Turm sollte ursprünglich ein Weltraumteleskop werden. Jetzt verfällt er langsam, nur wenige Touristen verirren sich dorthin. 

Auf dem Weg zurück in die Stadt hat man einen herrlichen Blick über Sarajevo. Trotz der bedrückenden Erlebnisse werden wir sicher nicht das letzte Mal hier gewesen sein.