Ein neuer Tag, eine neue Woche, ein neuer Monat und ein neuer Reiseabschnitt für mich. Nach einer kurzen Nacht gibt es eine doppelte Portion Kaffee zum Frühstück, wir packen unsere Sachen zusammen und fahren am frühen Nachmittag los Richtung Finnland. Mehrere Leute haben uns bereits vorgewarnt dass ab der Grenze Mücken auf uns warten und dass die Straßen eher langweilig werden im Vergleich zu Norwegen. Kurz vor der Grenze gehen wir einkaufen und suchen einen Platz zum übernachten. Ich bin viel zu müde um noch weiterzufahren, so nehmen wir einen schönen Platz an einem See. Dort steht bereits ein Wohnmobil und zum ersten Mal scheinen die Bewohner kein Interesse an einem Gespräch zu haben, nicht mal grüßen wollen sie. Ebenfalls zum ersten Mal werden wir von einer Horde Mücken überfallen, so dass ich das Zelt in meiner Motorradkombi und Helm aufbaue. Danach hilft Autan und ein leichter Wind dass wir HotDogs machen können ohne total zerstochen zu werden.

Am nächsten Morgen gehe ich im See baden, es ist sehr erfrischend und dank einem leichten Wind sind keine Mücken unterwegs. Dann zieht der Himmel zu und wir bauen schnell unsere Sachen ab, essen ein schnelles Käsebrot und machen uns auf den Weg bevor es zu regnen beginnt. Wir fahren den ganzen Tag mit viel Regen, passieren in Finnland den Polarkreis und bekommen dort für 50ct Kaffee und einen Donout. Dass beim Bezahlen von 1€ mit Karte noch 30ct Gebühr obendrauf kommen nehmen wir einfach mal hin, auch 1,30€ für zwei Donouts und zwei Kaffee sind okay.

Der Regen nimmt zu und wir machen viel Strecke auf großen Straßen. Ich werde in Schweden noch Freunde besuchen, die vor kurzem aus Deutschland ausgewandert sind, also geht es nicht ins Baltikum. Ausserdem habe ich bei mehreren Anfragen nach passenden Reifen nur Absagen bekommen. Die Reifen sind nur sehr knapp noch legal zu fahren, scheinen aber kaum noch Profil zu verlieren. An einer Tankstelle gönnen wir uns warmes Essen, füllen Wasser auf und warten darauf dass sich der Regen verzieht. Dann suchen wir einen Platz zum Wildcampen, wo wir zuerst falsch abbiegen und eine sehr grobe und sandige Piste in die gewünschte Richtung gehen würde. Ein genauerer Blick zeigt dass es noch einen besseren Weg gibt. Wir bauen die Zelte auf und machen ein Abendessen, dann gehen wir ins Bett, immerhin wird es plötzlich dunkel. Erstaunlich wie schnell man sich an dauernde Helligkeit gewöhnt und von der ersten Dunkelheit überrascht wird.

Es ist der letzte gemeinsame Fahrtag mit Sander, morgen wird er nach Norwegen fahren, und ich alleine weiter Richtung Süden. Zum Frühstück gibt es Wurst-Käse-Brot aus der Pfanne. Dann machen wir uns auf den Weg, es geht auf der langweiligen E4 entlang, bis ich einen kleinen Weg finde der evtl. mehr Spaß macht. Aber wie schon von vielen angekündigt sind die Straßen in Schweden sehr gerade gebaut. Auch die kleinen Nebenstraßen laufen gerade durch den Wald. Wie der Hunger immer stärker wird, suchen wir einen Rastplatz und machen Pause vor einer geschlossenen Hütte neben einem Skilift. Es gibt Wraps mit Hackfleisch und Avocado. Wir suchen nach einer passenden Unterkunft und finden einen bezahlbaren Campingplatz kurz vor der Kreuzung wo sich unsere Wege trennen werden. Wir bauen die Zelte auf, genießen wieder die Annehmlichkeit einer heißen Dusche und waschen im Waschbecken ein paar Sachen. Dann dämmert es und wir gehen schlafen.

Die Morgensonne weckt uns, es gibt ein letztes Abschiedsfrühstück zusammen, auch ein letztes Mal gemeinsam Morgensport. Wir packen unsere Sachen und verabschieden uns, bevor wir aufbrechen. Nach nur wenigen gemeinsamen Kilometern biegt Sander nach Norwegen ab, ich bleibe auf Kurs nach Süden. Das gute Wetter bleibt mir lange treu, doch gegen Abend ziehen plötzlich Wolken auf. Die Wetterapp verheißt nichts gutes, mir bleibt keine halbe Stunde mehr um einen Platz zu finden und mein Zelt aufzubauen. Ich fahre in den Wald, finde auch schnell einen Platz der halbwegs gut aussieht und fange an mein Zelt aufzubauen. Leider nicht schnell genug, mittendrin holt mich das Unwetter ein, es gießt wie aus Kübeln und der Wind verbiegt mein Zelt wie ich es noch nie gesehen habe. Es ist das erste Mal dass ich alle Leinen zum Abspannen wirklich benötige, doch dann scheint das Zelt ziemlich stabil zu stehen. Ich verziehe mich mit dem Nötigsten ins Zelt und bin froh, eine so große Apsis zu haben, in der ich mir das nasse Zeug ausziehen kann und so trocken in mein Innenzelt komme. Es regnet sehr heftig, dann gibt es eine kurze Pause. Ich gehe kurz raus, hole mir Essen und stelle fest dass die Zufahrt so unter Wasser steht, dass ich da so schnell nicht mehr rausfahren kann. Ich hoffe nur der Boden weicht nicht so weit auf, dass der Seitenständer einsinkt und das Motorrad umfällt. Dann kommt auch schon der Regen zurück, ich verziehe mich wieder ins Zelt und esse was noch übrig ist.

Das Gewitter kommt näher, bis ich direkt im Zentrum davon bin. Die Blitze sind auch durch die Zeltwände schmerzhaft in den Augen und der Boden bebt mit dem Donner. Der Wind zerrt am Zelt, aber es scheint zu halten. Da keine Besserung in Sicht ist, nutze ich meinen Gehörschutz vom Fahren und versuche zu Schlafen.

Am nächsten Morgen hat sich das Gewitter verzogen, es gibt sogar ein paar Sonnenstrahlen. Das Motorrad ist nicht umgefallen und auch die Zufahrt steht nicht mehr unter Wasser. Nur das Zelt ist noch total nass. Da auf dem Regenradar noch ein paar Schauer zu sehen sind, packe ich meine Sachen möglichst schnell zusammen und mache mich ohne Frühstück auf den Weg. Immerhin wird die nächste Nacht in einem richtigen Bett sein. Auf einem schönen Rastplatz und bei bestem Wetter hole ich dann mein Frühstück nach und nehme die letzten Kilometer bis zu meinen Freunden unter die Räder.